Was will Satire an der Grenze?

Immer, wenn jemand wissen möchte, was Satire darf, geht es eigentlich um eine ganz andere Frage, und die lautet: Muss das denn alles wirklich sein?

Schmutzige Witze, Zoten, unappetitliche Beleidigungen. Wer braucht so was? Wenn die Leute schon Witze machen müssen, warum dann nicht wenigstens gute, über die man auch mit der Familie beim Abendessen lachen kann?

Im Januar 2015 sah es für eine Millisekunde so aus, als könnte sich all das jetzt ändern, weil sehr schaurig eindrucksvoll vorgeführt wurde, wie man sich so einen “Angriff auf die Meinungsfreiheit” vorzustellen hat – und dass man dabei im schlechtesten Fall nicht nur von Argumenten getroffen wird.

Kurz schimmerte durch, dass Satire vielleicht zeitweise mit Comedy verwechselt worden war und die gefällige Unterhaltung gar nicht notwendigerweise dazugehört.

Etwas mehr als ein Jahr später ist immerhin hängengeblieben, dass Satire dieses Dings mit Humor ist. Und bei Facebook schreibt man unter das Video mit dem Böhmermann-Gedicht: “Ich bin ja wirklich ein Freund von Satire. Aber darüber kann ich echt nicht lachen. Das ist einfach nur geschmacklos.”

Wer eine Satire danach beurteilt, wie geschmackvoll sie ist,
achtet wahrscheinlich auch beim Kauf eines Werkzeugkastens in erster Linie auf die Farbe. Satire soll vor allem eins: treffen. Und dass Böhmermann das nicht gelungen wäre, hat in den letzten Tagen ja eigentlich niemand behauptet.

Erst hieß es, er habe nur einen draufsetzen wollen, weil es ihm gegen den Strich gegangen sei, dass jetzt alle nur über dieses Extra3-Video sprachen. Dann löschte das ZDF sein Gedicht, und man ahnte warum, wenn man es sich ansah. Die meisten waren sich einig: Das geht wirklich überhaupt nicht. Schließlich sickerte durch: Er hatte das Gedicht in der Sendung in Anführungsstriche gesetzt und sich davon distanziert. Aber das verhallte schnell. Und Erdogan muss man natürlich nichts über Anführungsstriche erzählen.

Ich selbst habe in meinem Leben einige Stunden damit verbracht, Zeitungslesern die Funktion von Anführungszeichen zu erklären und dabei festgestellt: Im Prinzip könnte man sie sich sparen. Tolles Konzept, aber sehr schwer zu vermitteln.

Wer die Wirkung ausprobieren möchte, kann seinem Chef mal bei Gelegenheit sagen: „Ich fühle mich bei Ihnen so wohl, dass ich noch nie gedacht habe: ‚Ich kündige‘“ – und dann bei anderer Gelegenheit den zweiten Teil noch mal isoliert aussprechen. Man wird gleich sehen: Die Reaktionen unterscheiden sich fundamental.

Natürlich ist mal wieder alles viel komplizierter, als man es sich wünschen würde. Auch eine in Gänsefüßchen eingezäunte Bemerkung kann eine Beleidigung sein. Es ist nicht ganz unwichtig, wer etwas sagt und bei welcher Gelegenheit etwas gesagt wird.

Sogar die freundliche Frage „Wie geht’s eigentlich Ihrer Familie?“ kann sehr unterschiedliche Bedeutungen haben, je nachdem, ob der Chef sie stellt – oder der Schutzgelderpresser.

Auch in der Sache Böhmermann geht es nun um die Frage, wie das Gedicht zu verstehen ist und ob Böhmermann etwas zu weit gegangen ist. Damit wären wir wieder am Anfang. Muss das alles wirklich sein? Hätte er auf die ganzen Geschmacklosigkeiten nicht einfach verzichten können.

Ja, hätte er machen können. Dieter Hallervordens Lied wäre uns dann wahrscheinlich erspart geblieben, und vielleicht hätte auch Erdogan sich gar nicht mehr gemeldet. Konnte man vorher alles nicht wissen. Aber so hat Böhmermann nun absichtlich oder unabsichtlich – so genau weiß man das ja nicht – eine Grenze aufgespürt, von der man nicht wusste, dass sie so eng gezogen ist.

Den Hinweis auf den Verlauf hatte Erdogan selbst gegeben, als er wegen des harmlosen Extra3-Spaßliedes den deutschen Botschafter einbestellen ließ. Man konnte die Sache irgendwie regeln. Es bestand nie ein Zweifel daran, dass dieses Video vollkommen in den Schutzbereich der Satirefreiheit fällt. Was aber seltsamerweise fehlte, war ein deutliches Wort der Bundeskanzlerin.

Die Extra3-Redaktion war auf irgendwas gestoßen, Böhmermann spachtelte genau dort weiter. Er bearbeitete die empfindliche Stelle, nicht als Privatmann, der großen Spaß daran findet, Menschen Beleidigungen hinterherzuwerfen, sondern als Satiriker, der die Grenzen des Möglichen auskundschaftet, und das nicht nur zu seinem Selbstzweck. Das Gebiet, das er erschlossen hat, steht danach ja auch allen anderen zur Verfügung.

Dass Böhmermann Erdogan nicht ernsthaft beleidigen will, erkennt man mit ein bisschen gutem Willen schon an den Anschuldigungen, die so absurd sind, dass man ihm kaum unterstellen würde, er meine das alles ernst.

Das Gedicht ist einfach, aber die Vorführung sehr ausgeklügelt. Böhmermann konstruiert die größtmögliche Schmähkritik, setzt sie in Anführungsstriche und bringt sich selbst in Sicherheit, indem er sich gleich mehrfach vom Inhalt distanziert. Der türkische Zuschauer kann die Anführungsstriche nicht sehen, auch nicht die Distanzierung, denn mit Untertiteln versehen ist nur das Gedicht selbst.

Paradoxerweise hat das ZDF alles noch viel schlimmer gemacht, indem es das Gedicht aus der Sendung gelöscht hat. Wer sich den Ausschnitt ansehen möchte, findet ihn nicht mehr im Original, aber dafür überall im Internet, herausgelöst aus dem Zusammenhang. Vielleicht wäre es geschickter gewesen, den Rest einfach auch mit Untertiteln zu versehen.

Teil der Vorführung ist, dass der Zuschauer rätselt, was kalkuliert ist und was ungewollte oder unverhoffte Nebenwirkung.

Die Finte mit den Untertiteln spricht dafür, dass Böhmermann auf eine heftige Rückkopplung gehofft hat, die, damit hätte man gerechnet, in der Weite unserer Meinungsfreiheit verklingen würde. Erdogan hätte gleich gesehen, wo seine Grenzen verlaufen, natürlich irgendwo jenseits von Deutschland.

Inzwischen sind die Grenzen in Umrissen zu erkennen, aber es sieht doch etwas anders aus, als viele erwartet hatten, und es könnte sein, dass Böhmermann es geschafft hat, mithilfe eines schmutzigen Gedichts und ein paar glücklichen Zufällen zu zeigen, dass die Grenzen sich leicht verschoben haben.

Es ist der Verdacht entstanden, dass Angela Merkel das ganze Gebiet nicht mehr beanspruchen kann, weil sie sich in eine zweifelhafte Abhängigkeit begeben hat. Hätte Böhmermann sich für ein geschmackvolleres Gedicht entschieden, wäre das wahrscheinlich nie aufgefallen.

Aber es hätte schnell zum Problem werden können. Erdogan ist ja sogar hinter Schülern und Studenten hier, deren Kommentare im Netz er für beleidigend hält. Es hätte auch jemanden aus Deutschland treffen können. Jemanden, den keiner kennt.

Die Frage ist, wie Angela Merkel reagiert hätte, wenn Erdogan sich dann gemeldet hätte. Sie hätte abwägen müssen. Auf der einen Seite die komplizierte Flüchtlingsfrage mit all ihren Unwägbarkeiten, auf der anderen der namenlose Schmierfink aus dem Internet. Das Ungleichgewicht wäre noch etwas größer gewesen.

Wäre die Meinungsfreiheit dieses Mannes genauso viel wert gewesen wie die von Jan Böhmermann? Man würde es hoffen. Aber ist man sich sicher?

Satiriker reizen die Grenzen unter den Augen aller aus. Sie sind ein Maßstab dessen, was man sich erlauben darf. Die Satire ist eine Kunstform, die viel Sinnloses darf, aber damit zwischendurch als Korrektiv sehr nützlich ist. Gelegentlich landen Satiriker mit ihren Späßen vor Gericht, und manchmal erfahren sie da, was sie nicht durften. Aber auch da spielt es überhaupt keine Rolle, ob die Satire den Richtern gefällt.

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“Die Provinz ist was für zähe Hunde”

Jessica Schober war noch nicht einmal losgelaufen, da meldeten sich schon die ersten Kritiker, um ihren Plan zu verhindern. Sie wollte einen Fußmarsch durch Deutschland machen, eine Reise mit Zwischenstopps in Lokalredaktionen. Ein bisschen so wie die Handwerker-Gesellen, deswegen hatte sie sich den Namen Wortwalz ausgedacht, aber schon das war zu viel.

Es kamen Mails, in denen Jessica Schober davor gewarnt wurde, die traditionelle Kluft anzuziehen. Einige störten sich am Wort “Gesellenwanderung” oder an einem Schlips auf einer Zeichnung. Auf Facebook schrieb einer: “Wir hassen Trittbrettfahrer. Denkt euch doch euer eigenes Ding aus, du kannst doch Praktika machen, wie es sich für Bürogummis gehört.”

Man hätte es gut verstehen können, wenn Jessica Schober ihr Vorhaben hier abgebrochen hätte. Es wäre ein kurzes Buch geworden, aber man hätte ein bisschen gelernt über das Immunsystem von Traditionsorganismen.

WorwalzNun aber steht dieser Teil an Anfang ihrer Deutschlandreise, und auf den folgenden Seiten lernt man noch etwas mehr darüber.  In Lokalredaktionen dreht sich ebenfalls ja vieles um die Frage, wie man am besten damit umgeht, wenn sich nun vieles verändert. Und dann besitzt auch der Mensch selbst so ein Abwehrsystem, dem es am liebsten ist, wenn alles so bleibt, wie es ist und das ihn von Abenteuern abhalten möchte.

Die Walz ist der Versuch, das zu überwinden, sich gegen den Willen der eigenen Faulheit ein paar Ziele zu suchen und sich in der Unbequemlichkeit zurechtzufinden. Da muss eine ersten Stationen natürlich ein Treffen mit den Handwerkern sein, die von der Idee nicht so begeistert waren.

Ihnen begegnet Jessica Schober auf der Sommerbaustelle,  einem jährlichen Treffen von Wandergesellen in der Nähe von Lübeck. Man hatte sie eingeladen und ihr gesagt: “Blogge nicht, und nenne das Ganze nichts Wortwalz.” Sie hatte sich nicht daran gehalten, war aber trotzdem hingefahren, und es ist dann tatsächlich alles nicht so schlimm, wie sie befürchtet hatte. Die Gesellen sind skeptisch, aber vieles lässt sich schon dadurch lösen, dass man sich gegenübersitzt und mal miteinander redet. Vielleicht ist das schon mal eine Sache, die man sich merken kann.

Sehr schön auch die Episode, wo die Presse ins Sommercamp einfällt und noch mal sehr deutlich wird, warum die Handwerker so kritisch waren.

„Auf einmal schäme ich mich ein bisschen für meine eigene Zunft, die schreibend und knipsend über fremde Welten herfällt. Immer auf der Jagd nach der nächsten Story, dem nächsten Foto. Ich bin genauso, wenn ich auf Terminen bin. (…) Kein Wunder, dass sie nach einer halben Stunde einen Text über die Wandergesellen in den Computer kloppen, an dem manches schief und einiges falsch ist. Zum Verstehen ist die Zeit zu knapp.“

Im Journalistenalltag fehlt diese Perspektive, und das führt manchmal zu paradoxen Situationen. In der Ausbildung lernen Volontäre, dass zum Beruf gehört, sich auch mal unbeliebt zu machen. Wenn die Menschen, über die sie geschrieben haben, dann wütend in der Redaktion anrufen, weil irgendetwas falsch dargestellt ist, fühlen die Journalisten sich trotzdem im Recht – weil etwas schreiben, was andere nicht wollen, das ist ja Pressefreiheit.

Und dann kommt irgendwann wieder die Frage: „Wo werde ich schlafen? Wo geht es als Nächstes hin?“

In Hamburg zur Straßenzeitung Hinz und Kunzt. Zusammen mit zwei Obdachlosen übernachtet sie unter einer Brücke in der Nähe des Spiegel-Hochhauses.

„Die Nacht bricht mit meinen Vorurteilen. Wir bestellen Pizza. Online, übers Handy.“

In Harburg trifft sie auf der Straße eine Frau, die sie zu Peter schickt. Peter ist, so stellt sich heraus, auch Lokaljournalist. Nachdem die Zeitung, bei der er 20 Jahre lang gearbeitet hatte, eingestellt wurde, gründete er vor drei Jahren seine eigene, das Harburger Blatt. 2000er Auflage. Die Zeitungen bringt er selbst zu den 60 Verkaufsstellen. Beim ihm schläft Jessica Schober in einem grünen Holzhaus.

„Peter ist bereit, für sein Blatt alles zu geben. Inzwischen wurde ihm das Wasser abgedreht und das Internet abgeschaltet. Er kann die Rechnungen nicht mehr bezahlen. Deshalb aufgeben? Niemals? Eine Woche lang frage ich mich bei den Nachbarn durch, wo ich duschen darf. (…) Peter jucken die Zustände am finanziellen Abgrund kaum. Die Toilette spült er mit der Gießkanne.“

Als sie eines Nachmittags von einem Ausflug an die Elbe zurückkehren, parkt Peter den Wagen ein paar Meter von Haus entfernt, wo das Finanzamt es garantiert nicht findet.

Wortwalz-Landkarte

Das sind wohl die Geschichten, von denen man sagt, dass sie auf der Straße liegen. Aber sie könnten auch vor der Redaktion auf der Straße liegen, finden würden Lokalredakteure sie da trotzdem nicht, denn dort mach sich kaum jemand die Mühe, mit Menschen, die man porträtieren möchte, etwas Zeit zu verbringen. In der einen Stunden, die der Lokalredakteur am Wohnzimmertisch sitzt und sich alles erklären lässt, erlebt er nichts, was er nachher erzählen könnte – außer, dass sein Gesprächspartner an seinem Kaffee genippt hat.

So zeigt Jessica Schober mit ihrer Hommage ganz nebenbei auch, was der Lokaljournalismus sich entgehen lässt, wenn er auf seine Superlative, E-Mails und Pressegespräche fixiert ist.

Andererseits sieht man, dass es nicht überall im Lokaljournalismus so düster aussieht, wie man vermuten würde, wenn man in den Nachrichten verfolgt, wie die Redaktionen immer kleiner und kleiner werden.

Es gibt guten Lokaljournalismus, und um den zu erkennen, muss man oft nicht mal in die Zeitung schauen, da reicht schon ein Nachmittag mit den Journalisten, die dort arbeiten. Es gibt vitale Redaktionen wie die der Rhein-Zeitung, wo man noch gut erkennen kann, dass die Menschen sich diesen Beruf irgendwann freiwillig ausgesucht haben.

Beim Nordbayerischen Kurier in Bayreuth übernachtet Jessica Schober in der Dunkelkammer des Gerichtsreporters, der die jungen Redakteure freitagsabends mit auf eine Kneipentour mitnimmt. Und dann gibt es noch die anderen Redaktionen wie die der Thüringischen Landeszeitung in Weimar.

„Hier gibt es Pflichtprogramm, kurz vorm Ermüdungsbruch. Einen Platz zum Mitarbeiten bekomme ich dennoch. In den nächsten Tagen soll ich die Sekretärin vertreten und Telefondienst machen. Ich werde in dieser Woche zwei Mal die Titelgeschichte des Lokalteils schreiben, viel vergebens recherchieren und dabei insgesamt 83 Euro verdienen.“

Im Blog erfährt man noch etwas mehr über das Elend dort. Mit den Telefonen kann man nur innerhalb von Thüringen telefonieren. Der Lokalchef weigert sich, mit einem Anrufer zu sprechen, der kein Leser seiner Zeitung ist. Und die Auflage soll hier geheim bleiben.

Bei der Thüringischen Allgemeinen, dem ehemaligen Konkurrenten, der heute zur gleichen Gruppe gehört, sagt der Lokalchef: „Der Tag diktiert so viel auf, das blockiert dich.“ Auf das Interview mit ihm, das sie an sieben Stationen geführt hat, verzichtet Jessica Schober hier.

“Meisterschnack” nennt sie diese Gespräche. Die Texte stehen zwar nicht im Buch, aber man findet sie im Blog, und es lohnt, da mal reinzuschauen. Die erste Frage ist immer: Warum sind Sie Lokaljournalist geworden?

Da könnte man sich natürlich einiges ausdenken, was nach Berufung und Zielstrebigkeit aussieht, aber interessanter sind doch die ehrlichen Antworten. Lars Reckermann, damals noch bei der Schwäbischen Post, heute Chefredakteur der Nordwest-Zeitung in Oldenburg, sagt auf die Frage: „Ich wollte mal Rechtsanwalt werden. Ich war aber total schlecht in der Schule, habe das zweitschlechteste Abitur gebaut.“

Lars Reckermann sagt auch den Satz „Journalismus ist ein Handwerk”, der dem Verdacht entgegenwirken soll, Journalisten könnten sich für Künstler halten. Die Künstlersozialkasse vertritt ja auch diese Meinung und auf den ersten Blick machen sie ja fast das Gleiche wie Schriftsteller.

Aber Journalisten sind keine Handwerker. Viele können nicht mal mit zehn Fingern schreiben, und wenn sie für ihre Arbeit einen Blumenstrauß bekommen, haben sie oft etwas falsch gemacht.

Kein Geselle würde einen Journalisten je als Handwerker bezeichnen. Das machen Journalisten nur selbst. Sie gehören nicht dazu, und sobald sie dazugehören, sind sie keine Journalisten mehr. Das ist ihr Dilemma.

Auf der Wortwalz wäre das die Gefahr gewesen. Nicht mehr zu sehen, dass man längst einer von denen ist. Mit Blumensträußen nach Hause zu gehen, wie es auch im Lokaljournalismus so schnell passieren kann. Aber es kann natürlich jedem passieren. Dann ist es wichtig das zu erkennen.

„Es ist die Journalistin, die mir entgleitet. Mir ist klar, wenn ich jetzt mit Heike (Anm.: eine Schreinerin, die sie getroffen hat) umherziehe, dann werde ich keine Reporterin sein. Ich werde nicht mehr in Lokalredaktionen anheuern, dieser Teil der Reise ist vorerst vorbei.“

Die Reise geht dann trotzdem noch weiter, nur eben nicht als Journalistin. Und das kann man sich vielleicht auch noch merken.

Jessica Schobers Buch über die Wortwalz kann man hier oder hier oder hier kaufen. Ich würde sehr dazu raten.

Jetzt hätte ich aber noch ein kleines Problem. Wie sag ich es. Ich war beim Lesen auf diesen Satz gestoßen, “Die Provinz ist was für zähe Hunde”, Seite 230. Ich dachte, das wäre doch ‘ne gute Überschrift, aber dann konnte ich ihn nirgendwo im Text unterbringen. Bis jetzt gerade.

Offenlegung:
Ich kenne Jessica, aber nur flüchtig. Wir haben uns im vergangenen Jahr einmal kurz beim Reporter-Forum getroffen. Ihre Idee, als Reporterin von Lokalredaktion zu Lokalredaktion fand ich schon vorher gut. Deswegen hab ich das Projekt mit einem nicht nennenswerten Kleinbetrag unterstützt – falls sich irgendjemand über meinen Namen hinten im Buch wundern sollte. 

 

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Diskriminierung für Dummys

Die Illustrierte Focus hat sich nun anscheinend bereiterklärt, all das, was die übrigen Medien an Ausländerhetze verweigern, mitzuübernehmen. Das ist sehr löblich, wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn den gleichen Plan hat die Junge Freiheit ja offenbar auch schon. Hier nur ein paar Sätze und Bilder aus der flüchtigen Durchsicht der Focus-Seite, um mal einen Eindruck zu vermitteln.

„Tappten die nordafrikanischen Banden in die Fußball-Falle?“

„Wie Köln hat auch Düsseldorf seit längerem ein Problem mit Straftätern aus dem nordafrikanischen Raum.“

Dings2

„Mit Unterstützung städtischer Ämter und der Bundespolizei wurden insgesamt 294 Personen überprüft – darunter eben auch viele Algerier.“

„Insbesondere Nordafrikaner werden auch für die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen und Diebstähle in der Kölner Silvesternacht verantwortlich gemacht.“

Ausländer1

„Die Ermittler gehen davon aus, dass die meisten Täter nordafrikanischer Herkunft sind.“

Das alles geschieht natürlich unter dem Deckmantel des Idioten-Credos „Es muss doch mal einer aussprechen“ und der Überzeugung, dass hier nur aus falsch verstandener Gastfreundschaft darauf verzichtet wird, die Nationalität von Straftätern zu benennen. Allerdings wird man den Eindruck nicht los, dass sie für ihre Schwarz-Weiß-Bilder beim Focus nur noch die Farbe Schwarz verwenden, weil sie finden, dass Weiß auch woanders schon im Überfluss vorhanden ist.

Mit dem Pressekodex muss man den Focus-Leuten natürlich nicht kommen. Auf den berufen sie sich ja selbst, denn der erlaubt es sogar (Richtlinie 12.1) bei Straftaten die Nationalität zu nennen, „wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“.

Sachlich mögen die einzelnen Sätze oben sogar stimmen, aber selbst wenn man der Überzeugung ist, dass man die Herkunft von Tätern auf keinen Fall verschweigen sollte, muss man einräumen, dass auch das Gesamtbild einen Eindruck verfestigt. Eine ganz interessante Leseerfahrung ist, auf der Focus-Seite die Adjektive „nordafrikanisch“ oder “ausländisch” im Kopf mal durch das Wort „jüdisch“ zu ersetzen.

Es macht einen Unterschied, ob man eine Information erwähnt, um dem Leser das Verständnis zu erleichtern, oder ob man sie so penetrant an jeder sich bietenden Stelle wiederholt, dass der differenzierungfaule Leser unweigerlich den Eindruck bekommen muss, dass es neben Krebs, AIDS und Naturkatastrophen eigentlich kaum eine größere Bedrohung  für unsere Gesellschaft gibt als den Nordafrikaner.

In der Richtline 12.1 steht eben auch noch der Satz: „Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“ Und das halten sie beim Focus offenbar für Gedöns, oder sie können sich unter “Vorurteilen gegen Minderheiten” nicht viel vorstellen. Dabei ist es doch gar nicht so schwer.

Hier vielleicht noch mal der Versuch einer Erklärung: Der Focus beschäftigt einen ganzen Haufen Journalisten, die sicherlich hier und da mit ihren Recherchen auch mal richtig liegen. Mal angenommen, man ist nun einer von diesen Focus-Journalisten, die sich redlich um gut recherchierte Fakten bemühen, aber dann ruft man irgendwo an, meldet sich mit seinem Namen, hängt noch die Ergänzung „Redaktion Focus“ dran, und man merkt sofort: Die Leute halten einen für einen gewaltigen Trottel. Das ist natürlich eine schreiende Ungerechtigkeit. Aber ungefähr so funktioniert der Mechanismus.

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Ahnungslose Siedler im Neuland

Der Pressesprecher des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Hendrik Zörner, hat den Verdacht, dass die Bundesregierung Informationen an Medien vorbei in die Öffentlichkeit schmuggelt. Leider ist die Botschaft der Pressemitteilung nicht ganz so klar. Und ich vermute, eigentlich möchte Hendrik Zörner auch etwas anderes sagen. Ich habe mich mal an einer Übersetzung versucht.

“Ein Kollege aus Berlin hat mir heute Morgen ein Fax geschickt. Er hat ziemlichen Ärger mit seinem Redaktionsleiter. Seit Wochen schon. Die Konkurrenz gräbt die dollsten Merkel-Geschichten aus, aber er hat keine Ahnung, woher sie die haben. Per Pressemitteilung kommen sie jedenfalls nicht rein, und das bedeutet wohl, dass Steffen Seibert sie irgendwo anders streuen muss.

Der Kollege in Berlin vermutet, das könnte irgendwas mit Facebook zu tun haben. Leider hat er selbst keine Zeit, sich um solche Spielereien zu kümmern. Aber wo jetzt auch schon der Spiegel an der Sache dran ist, fragt er, ob wir da als Verband nicht mal mit einer Pressemitteilung reagieren könnten. Und natürlich, wenn wir etwas können, dann das.

Vorab vielleicht noch eine kurze Bemerkung: Ich selbst bin natürlich auch nicht von gestern. Mir ist klar, dass die Zeiten vorbei sind, in denen wir Journalisten alles zuerst erfahren haben. Das läuft heute etwas anders. Und wenn wir keine andere Wahl haben, dann machen wir da natürlich gerne mit.

Aber so fortschrittlich sind leider nicht alle Kollegen hier im Verband, und unglücklicherweise muss ich ja auch in deren Namen sprechen. Daher nenne ich die Verbandsmitglieder, die mit diesem ganzen neumodischen Kram überhaupt nichts anfangen können, mal „Vertreter der reinen Lehre“. Das klingt ja sogar etwas schmeichelhaft.

Natürlich muss ich sagen: Es waren tolle Zeiten damals. Nicht nur die Zeitungen waren aus Papier, auch die Pressemitteilungen. Und mal ehrlich: Informationen auf Papier – das ist ja schon was ganz anderes als Informationen auf flackernden Bildschirmen. Würde ja niemand auf die Idee kommen, das teure Papier für Informationen zu verschwenden, die nicht auch wirklich stimmen. Im Internet dagegen scheinen Fehler für Veröffentlichungen ja schon fast eine Voraussetzung zu sein.

Damit kommen wir dem Problem langsam näher.

Angela Merkel will in Facebook und Twitter nicht als ahnungslose Siedlerin im Neuland rüberkommen. Langfristig wäre das auch unser Ziel. Aber ganz so weit sind wir da als Verband leider noch nicht, denn wir stecken in einem dummen Dilemma. Nach außen versuchen wir, uns modern zu geben, aber irgendwie müssen wir natürlich auch den Kollegen das Herz erwärmen, die noch kein Smartphone haben. Sonst zahlt nachher niemand mehr Beiträge, und dann gäbe es zum Beispiel auch diese Pressemitteilung nicht.

Es scheint ja jetzt jedenfalls so zu sein, dass Herr Seibert ab und zu Dinge bei Facebook veröffentlicht, die nicht als Pressemitteilung an die Kollegen rausgehen.

Das verurteilen wir natürlich (vor allem die Vertreter der reinen Lehre). Wir sind uns ja hoffentlich einig darin, dass diese Form der Kommunikation in höchstem Maße unseriös ist. Aber selbst unser neuer Vorsitzender ist in diesen so genannten Sozialen Medien ja sehr aktiv. Deshalb nenne ich das, was wir hier verbandsintern als Verflachung und Qualitätsverfall verteufeln, mal vorsichtig „anderen Sprachstil und andere Bildersprache“.

Nun ja, was soll ich den Kollegen jetzt sagen? Dass die sich alle bei Facebook und Twitter anmelden, kann ja auch keine Lösung sein.

Vielleicht können wir trotzdem zu einer einvernehmlichen Lösung finden. Die ganzen bunten Bilder, Tweets und Postings oder wie das alles heißt wollen wir hier natürlich auch nicht im Postfach haben. Wir haben ja eh schon genug zu tun. Aber wäre es nicht möglich, dass Sie wenigstens die interessanten Geschichten, also die mit Gehalt, nicht nur ins Internet stellen? Ganz im Vertrauen: Da würden Sie mir hier echt aus der Bredouille helfen.

Den Kollegen in Berlin muss ich übrigens in Schutz nehmen. Der hat sich jetzt vor zwei Wochen auch ein Handy gekauft. Das kann ich bezeugen, denn damit hat er mich vor fünf Minuten noch angerufen. Er hat gefragt, ob das Fax angekommen ist.”

Vielleicht noch eine kleine Bemerkung:
Ich bin selbst DJV-Mitglied, und ich bin nicht der Einzige da, der das alles etwas anders sieht.

Und eine Korrektur: 
Ich habe den Text von Hendrik Zörner auf der DJV-Seite irrtümlicherweise für eine Pressemitteilung gehalten. Ich muss zugeben, dass oben drüber nicht gerade klein “DJV Blog” steht. Es ist also ein Blog-Beitrag. Weil das an der inhaltlichen Kritik aber nichts ändert und man sich sonst wundert, wenn man die Audio-Datei hört, lasse ich das jetzt oben in meinem Text mal so stehen und weise hier darauf hin. 

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Ein Nachmittag in der VIP-Loge

Vor ein paar Jahren habe ich mal einen blöden Fehler gemacht. Kurz vor dem Wochenende rief ein Pressesprecher an, den ich ganz gut kannte, weil er privat mit einem Kollegen befreundet war.

Er sagte: „Hey, sag mal, wir haben da fürs Wochenende noch zwei Plätze in der VIP-Loge, Dortmund gegen Bremen. Haste nicht Lust?“

Der Fehler war, dass ich Ja gesagt habe.

Mir war klar, dass mit der Einladung nicht der Wunsch nach einer Gegenleistung verbunden sein würde. Es hatte überhaupt nichts Zwielichtiges. Vor allem wegen der Über-eine-Ecke-Verbindung empfand ich den Anruf eher als nette Geste. Und ich halte es nicht für ganz ausgeschlossen, dass es auch einfach so gemeint war.

Der Abend wurde sehr schön. Ich nahm meinen Vater mit, dessen einzige größere Schwäche seine Begeisterung für Borussia Dortmund ist. In der VIP-Loge traf ich einen Kollegen von einer anderen Zeitung. Erst ein paar Wochen später wurde mir klar, dass es vollkommen egal ist, ob es den Wunsch nach einer Gegenleistung gibt.

Der Mechanismus funktioniert anders, als man denkt, wenn man furchteinflößende Wörter wie “Einflussnahme” oder “Korruption” hört. Es ist nicht so wie zu Hause im Kinderzimmer, wo jemand donnernd in der Tür steht und mit nicht näher genannten Konsequenzen droht, wenn das Zimmer nicht aufgeräumt wird. Niemand droht. Das Schmiermittel heißt Freundlichkeit.

Wenn jemand einem einen Gefallen getan hat, muss er nicht dazusagen, dass er dafür gern etwas hätte. Das Gefühl, in der Schuld zu stehen, entwickelt sich ganz automatisch. Und das muss nicht bedeuten, dass man sich bemüht, die Schulden so schnell wie möglich zu begleichen. Nur, wenn der Gönner umgekehrt mal eine Bitte hat, fällt der Satz “Das geht leider nicht” eben deutlich schwerer.

Das Blöde ist, dass wieder mal nicht alles nur schwarz und weiß ist. In den seltensten Fällen erwarten Menschen, die einem mal einen Gefallen getan haben, dass man als Gegenleistung dafür Gesetze bricht. Oft geht es um Kleinigkeiten, Gefälligkeiten, die manchmal auch durchaus vertretbar sind.

„Du, wir haben hier ein Foto von einer Scheckübergabe. Kriegt ihr das morgen noch in die Zeitung?”

Wenn man dann nicht mehr mit gutem Gefühl Nein sagen kann und sich gegen die Interessen der Leser entscheidet, weil man sich freundschaftlich verpflichtet fühlt, wird das gute Verhältnis zum Problem. Und das ist das schmale Brett, auf dem Journalisten balancieren.

In meinem Fall rief der Pressesprecher ein paar Wochen später noch einmal an. Ich weiß nicht mehr genau, worum es ging. Tarifverhandlungen oder Stellenkürzeungen. Jedenfalls standen die Mitarbeiter vor dem Gebäude und demonstrierten. Ich war hingefahren und hatte mit ihnen gesprochen. Der Text war schon fertig. Vom Unternehmen hatte die Sache erst niemand kommentiert. Aber dann sagte der Pressesprecher, er würde mir noch eine Stellungnahme der Unternehmensleitung schicken. Ob ich die noch mit reinnehmen könne.

Kein unmoralisches Anliegen eigentlich, aber ich weiß noch, wie ich die Pressemitteilung las, nichts davon wirklich erwähnenswert fand, aber irgendwie doch dachte: Jetzt willste dich mal nicht so anstellen. Dann schreibste halt noch zwei Zitate rein. Dass ich auch an das Fußballspiel dachte, war wahrscheinlich kein Zufall.

Dieses Erlebnis fiel mir ein, als ich heute Morgen dieses Interview las. Ferdi Recker ist Redakteur im Lokalsport, und normalerweise trifft er sich einmal die Woche mit einem Sportler aus Emsdetten auf eine Tasse Kaffee, um darüber zu schreiben.

In dieser Woche traf er überraschenderweise „in der DEVK-VIP-Loge in der BAY-Arena“ den ehemaligen Schalker Fußballprofi Ingo Anderbrügge, den mit Emsdetten erst mal nicht so viel verbindet – außer vielleicht „das so beliebte DEVK-Fußballcamp“, das im Mai zum zehnten Mal in Emsdetten stattgefunden hat.

Wenn der Eindruck auf dem Foto nicht trügt, war die Atmosphäre „in der DEVK-Loge“ (Bildunterschrift) sehr freundschaftlich. Das deckt sich auch mit dem Eindruck, der sich aus dem Interview ergibt, in dem „’Eurofighter’ Ingo Anderbrügge“ Recker auf die Frage nach dem Hin und Her um Schalke-Manager Heldt zwar keine richtige Antwort gibt, aber immerhin auf die nicht gestellte Frage eingeht, wie er sich Journalismus vorstellt.

Ich weiß auch nicht, wer da was gesagt hat, wie es nach außen drang. Die Presse soll doch lieber über den guten Start berichten.

Den Rat nahm Ferdi Recker zwar nicht an. Stattdessen zeigte er, dass er in der Lage ist, deutlich bessere Vorlagen zu geben als zum Beispiel das Schalker Mittelfeld.

Da wäre zum Beispiel diese „Interviewfrage“:

Verkauf von Julian Draxler von Schalke nach Wolfsburg?

Oder diese hier:

Der aktuelle „Skandal“ um das Sommermärchen 2006?

Was soll Anderbrügge da schon sagen? Immerhin sagte er nicht: “Da ist soweit alles in Ordnung.”

Kurz darauf ist man mit dem Text durch, und es bleibt der unglückliche Eindruck, dass es bei Reckers Besuch „in der DEVK-VIP-Loge in der BAY-Arena“ nur in zweiter Linie um ein Interview ging, von dem auch Zeitungsleser etwas haben könnten.

Es ist natürlich verlockend in VIP-Logen eingeladen zu werden und dann auch noch mit Prominenten reden zu dürfen. Und ich will auch gar nicht ausschließen, dass sich bei solchen Gelegenheiten Dinge ergeben können, die über ein, zwei Banden dann doch wieder den Lesern nützen. Andererseits wäre es schon mit sehr wenig Aufwand möglich gewesen, das Ergebnis etwas weniger schlimm aussehen zu lassen. Und da muss man noch nicht mal bei den Fragen anfangen.

Man hätte zum Beispiel die seltsame DEVK-Schleichwerbung weglassen können. Man hätte erklären können, wie das Interview zustandegekommen ist. Ein Hinweis am Ende, dass die Versicherung den Nachmittag möglich gemacht und vielleicht auch bezahlt hat, wäre etwas aufschlussreicher und deutlich weniger ominös gewesen als die hier gewählte Variante. Ferdi Recker scheint sich jedenfalls nicht selbst in die VIP-Loge eingeladen zu haben, und wenn man das als Leser weiß, hat man vielleicht auch andere Erwartungen an so ein Interview.

Vielleicht hätte man auch einfach sagen müssen: Eine Einladung in die VIP-Loge zu einem Bundesligaspiel ist zwar sehr schön, aber möglicherweise doch ein etwas zu großer Gefallen für einen Redakteur, der mit Bundesliga-Fußball sonst gar nichts zu tun hat. Nur leider muss ich eben blöderweise auch zugeben: So was merkt man manchmal erst hinterher.

Kleiner Nachtrag (29. Oktober, 14.40 Uhr)
Ein Kollege wies mich soeben darauf hin, dass Ferdi Recker die Sache mit der Einladung hier in einem weiteren Text erklärt hat.

Noch ein Nachtrag (30. Oktober, 11.33 Uhr)
Der Link oben führt jetzt leider ins Nichts. Jemand scheint den Blogtext gelöscht zu haben, aber man findet ihn weiterhin hier im Cache.

Offenlegung:
Ich habe bis 2014 beim Verlag Lensing-Wolff gearbeitet, zu dem da auch noch die Emsdettener Volkszeitung gehörte.

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Das Primat des Weglassens

Joachim Widmann hat keine große Lust auf lahmen Lokaljournalismus. Geht mir auch so. Das klang hier sicher schon mal durch. Ich habe hier ja auch schon öfter erklärt, was mich so stört. Joachim Widmann hat das jetzt in Form der zehn Gebote des Lokaljournalismus getan. So steht es über seinem Text auf kress.de. Und das wäre eigentlich ein guter Grund gewesen, den Text nicht zu lesen. Aber weil ich so neugierig bin, habe ich dann doch die ersten Absätze überflogen, und da steht, dass die Form nicht ganz ernst gemeint ist. Das hat mich etwas beruhigt.

Jedenfalls Folgendes: Im Prinzip bin ich Widmanns Meinung. Jetzt wiederhole ich mich schon im zweiten Absatz. Aber genau das ist der Punkt. Sobald man das Wort “Lokaljournalismus” zusammen mit den Wörtern “Thesen” oder “Zukunft” liest, ahnt man: Jetzt kommt gleich wieder die Sache mit der kritischen Haltung, den Anzeigenkunden und der Unabhängigkeit.

Als Lokaljournalist sitzt man dann entweder da und fühlt sich nicht angesprochen, weil man denkt: Gut, im Prinzip ist das so. Aber bei uns hier in der Stadt läuft das alles ein bisschen anders.

Oder aber man würde gern etwas ändern und fragt sich, wie man das auf die Schnelle machen soll. Wenn man den Leuten im Schützenverein erzählt, wir machen jetzt ab morgen alles anders, kritisch und so, werden die das zur Kenntnis nehmen. Aber sobald man die Tür hinter sich zugeschlagen hat, lachen die sich tot.

Die ganze Kultur ist versaut. Das kann ein Einzelner nur sehr schwer ändern.

Zu Gebot eins und zwei: Verlautbarungen.

Ich vermute mal, dass es in den meisten Lokalredaktionen eher nicht so ist, dass man sich morgens fragt: Pressekonferenz. Gut, den ganz normalen Scheiß wie immer? Oder machen wir ein Porträt mit Reportage-Elementen?

Allein an dieser einen Veranstaltungsform Pressekonferenz hängt ein ganzer Anhänger voll mit Problemen.

Die Frage „Gehen wir da überhaupt hin?“ wird oft gar nicht gestellt, weil schon das Wort Pressekonferenz einen so offiziellen Schimmer verbreitet, dass kein Redakteur sich traut, einfach mal zu sagen: Das sparen wir uns. Je kleiner das Dorf, desto größer das Problem. Das verstehen natürlich auch Parteien und Vereine, und sobald sich dieses Wissen verbreitet hat, führt das dazu, dass freitagsmorgens oft zeitgleich fünf Pressekonferenzen stattfinden, weil alles am Samstag in die Zeitung soll, die Redaktion zu Pressekonferenzen garantiert jemanden schickt – und wenn sie jemanden geschickt hat, immer auch schreibt.

Nun aber zu dem Problem, das Widmann kritisiert. Üblich ist, dass nach der Pressekonferenz einfach all das aufgeschrieben wird, was die Offiziellen zu berichten hatten. Und wenn man nachher Artikel und Pressemitteilung nebeneinanderlegt, entsteht manchmal der Eindruck, dass der Journalist seine Aufgabe vor allem darin gesehen hat, den Text der Pressestelle möglichst kunstvoll zu paraphrasieren.

Ich habe das auch schon gemacht. Und während ich das tat, war mir bewusst, dass das nicht gut ist. Aber die Alternative in diesem Moment war nicht: Pressemitteilung wegwerfen und selbst eine fundierte Analyse schreiben. Dazu bräuchte man ja erst mal so etwas wie Ahnung. Und um sich die anzueignen, braucht man ein bisschen mehr Zeit als die viereinhalb Minuten, die für den Wikipedia-Artikel draufgehen.

Diese Zeit ist aber gar nicht eingeplant. Und hier käme jetzt meine Gegenthese: Das Meiste, was Joachim Widmann fordert, lässt sich so gar nicht umsetzen, wenn nicht mal irgendwer anfängt, in Lokalredaktionen das Gerücht zu kolportieren, dass auch Recherchezeit Arbeitszeit ist.

Tatsächlich ist es eher so, dass die Arbeitszeit in Zeilen gemessen wird. „Wie? Nur 50 Zeilen geschrieben heute? Was hast du denn den ganzen Tag gemacht?“

Das Lob in der Konferenz fällt nicht auf den, der mit etwas Recherche, viel Mühe und drei längeren Gesprächen eine wichtige Nachricht ausgegraben hat. Die Bewunderung trifft den, der es auf magische Weise geschafft hat, tausend Zeilen Text in einer Ausgabe unterzubringen.

Die Zeitung muss voll werden. Jetzt wiederhole ich mich schon wieder. Aber das ist das Hauptproblem. Nicht die fehlende Distanz, der zu kurze Atem oder die mangelnde Offenheit. Es sind die leeren Seiten in der Zeitung.

Deshalb glaube ich, dass die richtigen Adressaten für zehn Gebote gar nicht die Journalisten sind, die dann am Ende in den Pressekonferenzen sitzen.

Und dann die Sache mit dem Image. Meine Erfahrung ist: Erzähle jemandem, dass du Lokaljournalist bist, und er wird dich für einen Idioten halten. Neulich hat mich ein Kollege, der für eine überregionale Tageszeitung arbeitet, in einer Runde als Lokaljournalist vorgestellt. Später hat er sich dafür entschuldigt.

Ich selbst finde nichts Schlimmes daran, Nachrichten und Geschichten aus der näheren Umgebung aufzuschreiben. Aber das verbreitete Bild sieht ja eher so aus, dass das die Leute sind, die bestellt werden können, wenn man ein Gruppenfoto braucht. Und meistens werden sie eben in den Kleingarten und zu den Taubenzüchtern bestellt.

Vielleicht muss die Frage erst mal lauten: Wie wird man dieses Image los?

Meine Vermutung ist, dass ungefähr hier eine nicht ganz unwichtige Ursache dafür liegt, dass junge Menschen mit Lokaljournalismus nicht viel anfangen können. Er ist gnadenlos unsexy.

Ein erster Lösungsvorschlag wäre: Man müsste sich mal damit beschäftigen.

Mein Kollege Jörg Homering-Elsner und ich sammeln, wie einige vielleicht wissen, Perlen des Lokaljournalismus. Jeden Tag schicken Kollegen und Zeitungsleser Dutzende neuer Ausschnitte mit den unglaublichsten Fehlern. Korrekturen sehen wir nur selten, was natürlich auch daran liegen kann, dass sie nicht geschickt werden. Ich glaube allerdings, es gibt meistens einfach keine, weil das natürlich die Lösung des Problems ist, die in der Vergangenheit auch immer funktioniert hat. Man erwähnt es einfach nicht. Dann wird es schon bald wieder vergessen sein.

Aber das Image ist jetzt da, es ist recht dominant geworden, und es wird vermutlich bleiben. Mittlerweile wäre es wichtig, sich von diesem Trotteljournalismus zu distanzieren. Dann und wann spricht es mal jemand an, aber es kommt mir doch vor wie in dieser Sparkassen-Werbung, wo am Ende der Chef sagt: „Wir machen das mit den Fähnchen.“

Dabei gäbe es ja gute Beispiele, wie man mit einem so verkorksten Image umgehen kann.

Die Bausparkasse LBS zum Beispiel hat das Problem, dass man sie und ihre Kunden für ziemlich langweilig hält, gelöst, indem sie sich in ihrer Werbung ironisch, aber auch recht selbstbewusst dazu bekannt hat, eben die Bausparkasse der Spießer zu sein.

Lokalzeitungen dagegen kämpfen weiter gegen den Dorftrottel-Ruf, indem sie ihre eigene Bedeutung ins Unermessliche überhöhen. Auftrag im Grundgesetz. Vierte Macht im Staat. Und dann kommt so was dabei raus.

Ein Redakteur alleine kann das aber auch nicht lösen. Er braucht ja erst mal eine Vorstellung davon, was der Verlag überhaupt will. Das klingt jetzt vielleicht seltsam, aber oft ist das ja gar nicht so klar. Viele Redakteure, die seit Jahren auf einem Schiff mit der Flagge „Journalismus“ segeln, haben ja mit der Zeit schon ein Gefühl dafür bekommen, dass es in Wirklichkeit um Convenience-Content für Anzeigenkunden geht.

Ich kann ganz gut verstehen, dass Journalisten resignieren und an gewissen Stellen auf Kritik verzichten, wenn sie an der einen Front gegen die Spendenfoto-Wünsche und Geheimhaltungsdiktate der Anzeigenkunden kämpfen und an der anderen Front gegen den eigenen Laden.

Da kann man dem Redakteur dann raten: Sei kritisch! Sei offen! Sei flexibel! Aber ohne die Rückendeckung des Arbeitgebers wird er doch nur der Trottel bleiben, der gegen Ende der Woche anruft, um noch mal nachzuhaken. Wenn es tatsächlich mal heikel wird, trifft man sich mit dem Verlagsgeschäftsführer, und der regelt dann schon, dass nichts in der Zeitung steht.

Dabei geht jetzt vielleicht ein bisschen der Eindruck verloren, dass ich Joachim Widmann eigentlich schon zustimme. Man braucht das ja alles. Kritische Journalisten. Distanzierte Journalisten. Gut informierte Journalisten. Aber so etwas kann nur in einer Umgebung gedeihen, die das zulässt und fordert.

Anders als Widmann glaube ich nicht, dass Lokaljournalisten das Zeitproblem selbst lösen können, indem sie ihre Woche schon mal vorplanen. Natürlich sind sie auch selbst schuld. Wenn man in Lokalredaktionen von anderen Journalisten hört, die eine Woche an einer Geschichte recherchieren, ist die Reaktion entweder ein verzweifeltes: „Das würde ich auch gern.“ Oder ein: „Pah! In der Zeit schreib ich fünf Geschichten.“

Deshalb würde sich in vielen Redaktionen wahrscheinlich auch nicht viel ändern, wenn es plötzlich zwei Redakteure mehr gäbe. Es ist ein Kulturproblem. Es fehlt das Verständnis für gründliche Recherchen, weil es dann natürlich an Output mangelt. Drei schnelle Geschichten sind immer besser als eine gute. Es regiert das Primat der Quantität.

Also was tun, wenn die Leute sich nicht mehr für die Lokalberichterstattung interessieren? Vollkommen klar: Wir verkaufen zwei Seiten mehr.

Es gibt Städte mit 30.000 Einwohnern, in denen jeden Tag acht Lokalseiten erscheinen. Um die zu füllen, braucht man entweder zehn Reporter, eine irre Fantasie oder ein Postfach voller Pressemitteilungen.

Es ist ja vielleicht ganz schön, wenn man beim Frühstück noch drei Seiten mehr ungelesen wegblättern kann, aber am Ende führt es nicht dazu, dass die Leute im Bus über die wichtigsten Themen aus der Zeitung diskutieren, sondern dazu, dass man von irgendwoher den Satz hört: „Steht wieder nix drin im Käseblatt.“

Aber selbst, wenn es in dieser Stadt tatsächlich irgendwann nicht mehr acht, sondern nur noch drei Lokalzeitungsseiten gäbe, sich ein verrückter Verleger fände, der bereit wäre, bei dem Umfang mehr als einen Redakteur zu beschäftigen, so dass man Geschichten auch mal zu Ende recherchieren und im Zweifel nicht drucken könnte, wäre ein anderes Problem noch immer nicht gelöst: Es klingt natürlich sehr gut, über Pressekonferenzen mal ganz anders zu schreiben, ein Gruppenporträt mit Reportage-Elementen mitzubringen und die Perspektive zu wechseln, aber Lokaljournalismus bedeutet eben auch: Nach einem Jahr wiederholt sich alles. Und spätestens bei der fünften Pressekonferenz des örtlichen Energieversorgers wird man feststellen: Es gibt nicht unendlich viele Möglichkeiten, alles anders zu machen.

Nach meiner Erfahrung steht dann irgendwann wieder einfach die Nachricht in der Zeitung, weil es am Ende ja vor allem darum geht. Und hier habe ich eine Schleife eingebaut. Jetzt könnte man im Text wieder nach oben springen.

Stichwort Quantität.

Oft sind die Dinge eben nicht so offensichtlich wie der Zusammenhang zwischen der schlechten Ausstattung des Jugendheims und den trinkenden Jugendlichen vor der Tankstelle. Meistens ist es eher so, dass man viel telefonieren und lesen muss, bevor einem überhaupt erst mal irgendetwas auffällt. Und wenn im Terminkalender morgens eine Pressekonferenz steht und nachmittags eine, wird man die Hintergründe auch mit der besten Auffassungsgabe nicht sehen.

Man bräuchte so etwas wie ein Primat des Weglassens, damit mehr Platz für das Wesentliche bleibt. Aber das Dilemma ist: Je mehr man weglässt, desto wahrscheinlicher wird das Szenario, in dem irgendwann der Verleger mit der Neuigkeit in der Redaktion steht, dass man in Zukunft nicht mehr ganz so viele Schreibtische braucht.

Also geht alles erst mal so weiter. Und eigentlich fallen mir auch nur zwei Lösungen ein: Entweder, man verpflichtet die Verleger gesetzlich dazu, die eigene Lokalzeitung jeden Tag von vorne bis hinten zu lesen. Oder wir versuchen es weiter mit Thesen.

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Ruhm posthum: Wie die Lepra-Gruppe sich auflöste

Ich war ein bisschen aufgeregt, denn man weiß ja nie, wie jemand reagiert, dessen ärgerlichen Aussetzer man als Titel für ein Buch verwendet hat. Findet der das auch so witzig wie man selbst? Ist der womöglich sauer? Ich war mir nicht sicher, aber dann habe ich einfach angerufen, denn ich wollte wissen, wie das damals war mit dieser Meldung: Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst.

Lepra-Gruppe

Vor ein paar Tagen ist unser Buch erschienen. Seitdem fragt ständig jemand, wie solche Fehler denn passieren können. Eigentlich muss man ja sehen, dass da etwas nicht stimmt, wenn man so eine Meldung vor sich auf dem Bildschirm hat. Und es stimmt ja auch. Eigentlich muss man das sehen. Aber manchmal sieht man es eben nicht.

Ich hatte einen alten Kollegen aus meiner Zeit als Volontär in Steinfurt angerufen. Der nannte mir einen Namen, wo ich mich mal melden sollte. Die Kollegin könnte das wohl gewesen sein, sagte er. Also rief ich da an, ließ mich durchstellen und schilderte mein Anliegen. Kurze Pause. Stille.

„Die Lepra-Gruppe, ja. Das ist jetzt aber auch schon Jahre her“, sagte die Kollegin – nicht so, als hätte sie gerade auf meinen Anruf gewartet, aber auch nicht unfreundlich.

Dass ihre Überschrift im Netz ziemlich bekannt geworden ist, hat sie eher am Rande wahrgenommen. Und das Buch, ja, da habe mal jemand was erzählt. Aber auch nichts Genaues. Dann stellte ich ein paar Fragen.

Ich wollte wissen, wer das überhaupt war, diese Lepra-Gruppe. Und das hatte sie noch ziemlich gut vor Augen. Ein paar ältere Frauen, die sich im Horstmarer Stadtteil Leer regelmäßig zur Handarbeit trafen, die Ergebnisse dann auf einem Basar verkauften und den Erlös an die Lepra-Hilfe gaben.

Später stellte ich fest: Ich hätte das auch einfach googeln können. Aber mir erschien das, als wäre es schon Jahrzehnte her. Doch es sind gerade mal drei Jahre.

In diesem sieben Jahre alten Artikel ist das Problem absehbar. Die Gruppe sucht Nachwuchs. Das älteste Mitglied ist 96 Jahre alt. Vier Jahre später kommt in der Steinfurter Redaktion die Nachricht an, dass die Lepra-Gruppe ihre Arbeit eingestellt hat. Am Tag darauf steht es in der Zeitung, nur eben etwas anders formuliert.

Dass man die Formulierung auf der Titelseite auch anders verstehen kann, als sie gemeint war, fiel der Kollegin erst auf, als es ihr jemand erklärte. Auch daran erinnert sie sich noch. Aber wie so etwas passiert? Schwer zu sagen.

Die Kollegin ist jedenfalls nicht alleine. Dieser Ausschnitt stammt aus dem ostfriesischen General-Anzeiger. 
Lepra-Kreis

Wahrscheinlich ein grundsätzliches Problem mit Homonymen, also Wörtern, die gleichzeitig unterschiedliche Dinge bezeichnen. Wie man sie versteht, hängt davon ab, in welchen Zusammenhängen man die Wörter normalerweise hört.

Wenn man zum Beispiel in Langenargen am Bodensee Menschen auf der Straße fragt, wo ihre minderjährigen Kinder so ihre Ferien verbringen und die Antwort immer wieder lautet: “Bierkeller”, muss man sich keine Sorgen machen, und auch die Leute in Langenargen werden das nicht tun, denn Bierkeller ist dort der Name eines Ortsteils.

Ungefähr so könnte es auch in dem Fall hier gewesen sein.

“Sag mal, was fällt dir zum Thema Kotzen ein?”

“Natürlich Bergwandern.”

Kotzen

Vielleicht liegt die Erklärung aber auch viel näher, denn manchmal steht man einfach auf dem Schlauch. Oft wird einem so etwas einen Moment oder ein paar Stunden später schlagartig klar – als Journalist meistens genau eine Minute nach Redaktionsschluss.

So gegen Ende unseres Telefonats sagte die Kollegin: “Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich natürlich einfach geschrieben: Lepra-Gruppe hört auf.”

Vollkommen ungefährlich wäre jedenfalls die Überschrift des Original-Artikels gewesen, auf den die Meldung “Lepra-Gruppe hat sich aufgelöst” verweist. Den habe ich dann auch noch gefunden. Das wäre der hier:

Lepra-gruppe-original

 

Den Namen der Kollegin nenne ich übrigens nicht, weil genau das ja immer die Geschichten sind, die man dann später jahrelang bei Google findet. Und dazu könnte man zum Beispiel mal Frank Mill fragen.

Frank Mill

 

 

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Blendles neuer Korb

Zeitungsverlage sind ein bisschen wie Supermärkte, die ausschließlich Präsentkörbe verkaufen. Wenn man einen Liter Milch haben möchte, bekommt man immer noch Brot, Wurst, eingelegte Gurken und irgendwelchen anderen Kram dazu, den man wahrscheinlich gar nicht gebrauchen kann.

Das einzige Symbolbild bei 123rf, auf dem sowohl ein Korb als auch eine Zeitung zu sehen sind. Urheber: hayatikayhan / 123RF Lizenzfreie Bilder

Dass man nicht einfach ein Stück Käse kaufen kann, liegt vor allem an zwei Dingen: Erstens sehen die  Supermärkte in den Präsentkörben ihre große Stärke, zweitens möchten sie dieses einträgliche Modell auch nur ungern aufgeben, denn es ist natürlich viel lukrativer, wenn Kunden gleich einen ganzen Korb voller Lebensmittel mit nach Hause schleppen, als wenn sie nur eine Packung Milch mitnehmen. Außerdem bliebe man auf den eingelegten Gurken am Ende womöglich sitzen.

Ungefähr so stellt sich die Situation auf dem Zeitungsmarkt dar.

Wenn man ganz viel Pech hat und zum Beispiel im Einzugsgebiet der Oelder Glocke lebt, muss man das E-Paper einen ganzen Monat lang abonnieren, um einen einzigen Artikel lesen zu können. Auf jedem anderen Markt würden die Kunden das für einen Scherz halten. Auf dem Zeitungsmarkt lassen sie so was offenbar mit sich machen.

In dieser Woche hat der Zeitungskiosk Blendle aufgemacht, und es könnte sein, dass sich damit einiges ändern wird. Nicht innerhalb von Wochen, aber vielleicht auf Dauer und möglicherweise auch für die Glocke in Oelde, denn wenn Leser sehen, dass es auch anders geht, werden sie sich irgendwann fragen, warum ausgerechnet sie so schlecht behandelt werden.

Blendle verkauft Artikel aus Zeitungen und Magazinen einzeln. Den Gründer Marten Blankesteijn und Alexander Klöpping ist damit die Lösung für ein Dilemma gelungen, das sich über Jahre scheinbar nicht lösen ließ. Verlage mussten sich entscheiden zwischen den Einnahmen oder der Reichweite. Wer sich für die Einnahmen entschied, bekam am Ende oft gar nichts.

Es gibt schon ein paar sehr gute Texte zu den vielen Vorteilen und einigen Nachteilen, die Blendle mit sich bringt.

Stefan Niggemeier macht zum Beispiel darauf aufmerksam, dass ein Problem bleibt, solange Verlage ihre Texte bei Blendle verkaufen, dann aber trotzdem irgendwann kostenlos ins Netz stellen. Wer sie gekauft hat, könnte sich ärgern, wenn er sie als Gratis-Link findet. Die Krautreporter lassen sich aus ähnlichen Gründen gerade einzäunen. Andererseits könnte man die 89 Cent, die man für ein Zeit-Dossier zahlt, aber auch als Preis dafür verstehen, dass man die Artikel eine Woche früher bekommt.

Felix Schwenzel kritisiert, dass Blendle auf Links verzichtet. Benjamin O’Daniel hat die Artikelpreise analysiert. Er vermutet, dass die Unterschiede schwer vermittelbar sein werden. Ich schätze, da wird sich aber auch noch etwas ändern.

Blendle wird vermutlich keine Zeitung und kein Magazin retten. Es ist ein Zusatzgeschäft, und im schlechtesten Fall könnte die App ein Spielzeug für ein paar Zeitungsnerds bleiben. Aber der Dienst ist aus einem anderen Grund wichtig, denn er ist aus einer Richtung gedacht, die Veit Dengler, CEO der Schweizer NZZ-Mediengruppe, in einem Gastbeitrag für den Spiegel vor Kurzem so beschrieben hat.

Der Fokus für das Geschäftsmodell muss daher weg vom Produkt – egal ob Zeitung oder Website – hin zum Fokus auf den zahlenden Kunden und dessen Bedürfnisse.

Bislang sah man im Fokus des regionalen Geschäfts vor allem den Verlag und seine Bedürfnisse. Die Glocke in Oelde zum Beispiel verlangt für ihr Digital-Abo 18,40 Euro im Monat. Für den Leser ist das Abo-Modell eigentlich nur von Nachteil. Er könnte sich auch Morgen für Morgen am Frühstückstisch entscheiden, ob er Zeit findet, die Zeitung zu lesen. Aber die Verlage haben sich an das Abo-Modell gewöhnt, denn es erleichtert die Planung natürlich enorm. Und mit diesem Modell haben sie sich an ein Qualitätsbewusstsein gewöhnt, dessen oberste Maxime der Satz ist: Die Seiten müssen irgendwie voll werden.

Viele Leser lassen sich das gefallen, weil sich an der Qualität der Todesanzeigen über die Jahre nicht so viel geändert hat und man die behagliche Gewohnheit, die ein wesentlicher Produktbestandteil der Lokalzeitung ist, auch weiterhin geliefert bekommt.

Was aber, wenn man sich nicht mehr per Abo-Kündigung komplett gegen dieses Produkt entscheiden muss, von dem man Teile ja weiterhin gern hätte, sondern wenn man bei einzelnen Artikeln mal einfach sagen kann: Für diesen Mist hätte ich gern mein Geld zurück?

Bei Blendle geht das, denn da entscheidet man erst nach dem Lesen, ob einem der Artikel das Geld wirklich wert war. Allerdings passt das sehr schlecht zu dem Präsentkorb-Denken, wo man Zeitunglesern Pressemitteilungen, Gefälligkeiten für Anzeigenkunden und mit einem Anruf recherchierte Geschichten unterjubelt, weil man darauf setzt, dass sie in der Masse der Artikel schon nicht weiter auffallen werden. Die meisten Leser sind ja eh zu bequem, sich wegen so was zu melden.

Blendle wird diese Praxis nicht ändern, aber vielleicht doch die Bereitschaft, dieses selbstbezogene Geschäftsdenken zu akzeptieren. Und so wird immer deutlicher, dass auf der einen Seite die Medienunternehmen stehen, die versuchen, ihren Nutzern bei Facebook entgegenzukommen, die schauen, ob Blendle sich lohnen könnte, die versuchen das zu liefern, was die Kunden sich wünschen. Auf der anderen Seiten stehen Firmen, deren Devise sich ganz gut mit dem Satz umschreiben lässt: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Die Zeitung ist natürlich noch immer ein Präsentkorb. Das ist einer der unschlagbaren Vorteile, die sie gegenüber den zahllosen Filterblasen hat, in denen Menschen durchs Netz schleichen. Aber die Einsicht, dass Journalisten ihre Filterhoheit verloren haben, führt auch zu der Erkenntnis, dass der Korb nur noch ein Vorschlag sein kann.

Blendle hilft sogar dabei, diesen Korb zusammenzustellen. Man kann sich Benachrichtigungen schicken lassen, wenn die Lieblingsautoren irgendwo etwas geschrieben haben. Und das hat ein bisschen was von einem Treppenwitz, denn dank dieser Funktion kann man Zeitungen und Magazine jetzt endlich auch lesen wie Blogs.

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Der Kandidat des Königs

Matthias Pauqué möchte Oberbürgermeister von Bonn werden. Er kommt aus Bayern, daher kennt man ihn in Bonn noch nicht ganz so gut. Der Bonner Generalanzeiger hat ihn kurz vorgestellt. Den Text habe ich am Ende verlinkt, aber erst wollte ich noch etwas erklären, denn es ist so: Wenn Matthias Pauqué die Wahl am 13. September gewinnen sollte, hätte er ganz schön viel zu tun.

Pauqué möchte die Steuern senken, Arbeitsplätze schaffen, für sichere Renten sorgen, den Sport fördern, das Bildungssystem umkrempeln. Und das alles als Oberbürgermeister. Außerdem hat er vor, die Sache mit den Gemeindefinanzen neu zu ordnen, den Hebammen etwas Gutes zu tun, und Nahrungsmittel in Bio-Qualität sollen in Bonn in Zukunft kostenlos sein. So steht es auf dem Flyer, mit dem Pauqué seine Kandidatur bewirbt.

Das klingt schon mal sehr gut, ist aber noch lange nicht alles. Den Rest erfährt man, wenn man sich auf die Internetseite des Konvents zur Reformation Deutschlands begibt, einer Bewegung, für die Pauqué als parteiloser Kandidat antritt und die mit dem Spruch „Wir reden nicht nur drüber – wir tun es“ dafür wirbt, die Systemstrukturen in Deutschland grundlegend zu erneuern.

Anfangen soll alles in Bonn, aber wenn man die 77 Thesen so liest, in denen der Konvent seine Absichten formuliert hat, erkennt man sehr schnell, dass es hier keineswegs nur um Bonn geht, sondern eigentlich um die ganze Welt.

Der Konvent möchte neue Banken (These 8) aufbauen, ein neues Währungssystem schaffen (These 10), die Ursachen für die Flüchtlingsströme beseitigen (These 18), Hebammen retten (These 20), sich für die Einhaltung der schöpferischen Ordnung (These 23) einsetzen, die „Abschaffung gemeingefährlicher Organisationen (IWF, Weltbank, CIA und andere)“ durchsetzen (These 34), und wenn man noch etwas weiterliest, kommt man irgendwann zu These 42. Da geht es um ein neues Parlament, das der deutschen Bundesregierung die Arbeit abnehmen soll.

„Die Bundesregierung im Parlament macht keine gemeinwohlorientierte Politik. Aus diesem Grunde fordern und schaffen wir ein eigenes Parlament, welches als Opposition zur Bundesregierung die staatlichen Tätigkeiten zur Organisation des gemeindlichen Zusammenlebens leistet. Wir wollen damit zukünftig die Regierungstätigkeiten der Bundesregierung durch ein Parlament ersetzen, welches das Wohl aller Menschen im Sinne hat.“

Anfang August hat Matthias Pauqué in der Bonner Fußgängerzone Unterschriften gesammelt, die er brauchte, um zur Wahl zugelassen zu werden. Geholfen hat ihm dabei Peter Fitzek, der selbst an keiner Wahl teilnehmen muss, weil er auf einem alten Krankenhausgelände in Wittenberg (die Thesen) einfach einen eigenen Staat ausgerufen hat, dessen Oberhaupt er nun ist.

Die Zeremonie seiner Krönung kann man sich bei Youtube ansehen. Peter Fitzek nennt sich wahlweise Oberster Souverän, Imperator Fiduziar oder einfach König von Deutschland. Bevor er König wurde, hatte er unter anderem eine Videothek.

Der MDR hat eine halbstündige Dokumentation über das bizarre Königreich gedreht, in dem es zeitweise sogar eine eigene Krankenversicherung und eine eigene Bank gab. Um seinen Staat zu finanzieren, soll Peter Fitzek von seinen Untertanen mehrere hunderttausend Euro eingesammelt haben.

Wo das Geld geblieben ist, ist nicht ganz so klar.

Die Königliche Reichsbank, die Fitzek im September 2013 in der Wittenberger Fußgängerzone eröffnet hatte, musste im Jahr darauf wieder schließen. Die Idee mit der eigenen Krankenversicherung fand die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nicht ganz so gut. Deswegen gibt es die Krankenversicherung ebenfalls nicht mehr.

Mittlerweile weiß Fitzek auch, dass sein selbst ausgestellter Führerschein auf den Straßen rund um das neun Hektar große Staatsgebiet keine Gültigkeit hat. Im April verurteilte ihn ein Gericht wegen Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis. Fitzek ist so etwas egal. Er verbucht auch das als Sieg und vor allem als Indiz dafür, dass es sich bei der gegenwärtigen Staatsform um die einer Bananenrepublik handelt. Nach der Gerichtsverhandlung fuhr er mit dem Auto nach Hause.

Das Königreich befindet sich mittlerweile in der Abwicklung, aber im Internet existiert es weiter. Dort nimmt Fitzek Artikel der „Systempresse“ auseinander, in denen es um Matthias Pauqués Kandidatur in Bonn geht, und in denen fälschlicherweise auch Fitzeks voller Name genannt wird („Der Familienname wird von Uns (sic!) nicht mehr verwendet, ähnlich wie bei der Queen oder dem Papst“).

Aber warum ausgerechnet Bonn?

Die Frage beantwortet Fitzek in seiner Korrektur des Berichts aus der Abendzeitung. Im letzten Absatz schreibt er:

„(…) Erst durch eine Bürgerbefragung, ein Bürgerbegehren und dann durch einen Bürgerentscheid würde die Autonomie oder der Beitritt zum Königreich Deutschland möglich sein.“

Wenn sich Bonn also dem Königreich anschließen würde, könnte so auch finanziell das ein oder andere Problem gelöst werden. Und ganz nebenbei: Zufälligerweise hat in Bonn auch die BaFin ihren Sitz.

Man könnte das alles ganz witzig finden, aber die Frage ist natürlich: Wie ernst muss man so etwas nehmen?

Jörg Rademacher, beim NRW-Innenministerium als Sprecher für den Verfassungsschutz zuständig, sagt, die Gruppe um Fitzek sei ideologisch in der Nähe der Reichsbürgerbewegung zu sehen, die das Deutschland in den Grenzen von 1937 gern zurück hätte, weil sie der Auffassung ist, dass die Bundesrepublik im Grunde gar nicht existiert. Offiziell hat ja nie jemand die Weimarer Republik abgeschafft. Das Grundgesetz lehnen die Reichsbürger daher ab.

Ich fragte Rademacher, ob er Fitzek und seine Leute denn in der Tendenz eher für gefährlich oder für harmlos hält. Er sagte: „Das Wort harmlos würde ich in diesem Zusammenhang nicht verwenden. Harmlos sind sie vielleicht in dem Sinne, dass sie keinen Einfluss haben.“

Ein Problem sei auch, dass zu diesen reichsbürgernahen Gruppen mitunter Menschen gehörten, „die sich in psychischen Ausnahmesituationen befinden. Salopp gesagt: Querulanten“, sagt Rademacher.

Es gebe da zum Beispiel eine Handreichung an die Behörden, in der geraten werde, mit diesen Menschen gar nicht zu diskutieren. „Die leben so in ihrer Vorstellungswelt, dass sie mit für uns vernünftigen Argumenten gar nicht zugänglich sind”, sagt Rademacher.

In dem Artikel aus der Abendzeitung über Matthias Pauqué hat Peter Fitzek insgesamt 38 Fehler gefunden. Der Schluss liegt nahe: „Die Mainstreampresse lügt immer“, schreibt er. Matthias Pauqué ist seinem Ziel, Oberbürgermeister von Bonn zu werden, schon etwas näher gekommen. 430 Unterstützer-Stimmen brauchte er, am Ende hatte er 460.

Ach ja, und wie gesagt, der Bonner Generalanzeiger hat auch schon ein kleines Porträt veröffentlicht. Das wäre das hier.

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Der fleißige Kollege PD

Bei vielen Zeitungen der eifrigste Mitarbeiter: pd.

Nachdem ich meinen ersten Text für eine Zeitung geschrieben hatte, blieb noch eine Frage zu klären: “Hast du eigentlich schon ein Kürzel?”

Hatte ich nicht. Hätte man sich natürlich was Tolles ausdenken können. Irgendwas mit Sonderzeichen, statt der üblichen drei Stellen vier, eine Kombination aus großen und kleinen Buchstaben. Aber so schnell fiel mir nichts ein. Der Redakteur sagte: „Dann nehmen wir jetzt RHE.“

So ein Kürzel wird man so schnell nicht mehr los. In der Redaktionskonferenz sagt kein Mensch mehr Peter Meier, denn den Text hat schließlich PEM geschrieben. Steht ja drunter.

Wenn man richtig Pech hat, stellen die Leute sich irgendwann Fragen wie: „Wie heißt OKO noch mal mit Vornamen?“

Für die Redaktionen haben die Kürzel viele Vorteile. Man spart zum Beispiel Kugelschreiber-Tinte, wenn man auf den Terminlisten nicht mehr Sven eintragen muss, sondern nur noch SVE. Sparen wird ja immer wichtiger.

Man spart sich zum Beispiel auch lästige Fragen, weil von den Lesern natürlich niemand weiß, wer FKN ist. Deshalb kann auch niemand FKN anrufen, wenn irgendetwas in seinen Texten unklar geblieben ist.

Ulf J. Froitzheim hat hier mal aufgeschrieben, wie seltsam das mit den Kürzel von außen aussieht, vor allem, wenn man selbst daran beteiligt ist.

Ich bin zwar in einem Punkt nicht ganz seiner Meinung, denn wenn Redaktionen keinen Mitarbeiter zu einem Gospelkonzert schicken, kann das natürlich auch daran liegen, dass irgendwer die bewusste Entscheidung getroffen hat, nicht über dieses Konzert zu berichten. Aber wenn dann hinterher der zugeschickte Pressetext in der Zeitung steht, kann man wohl davon ausgehen, dass es diese Überlegung nicht gab. Insofern hat Ulf Froitzheim dann doch wieder recht.

Welcher Name zu welchem Kürzel gehört, findet man mit etwas Glück im Impressum. Aber oft hat man dieses Glück nicht, und das ist wahrscheinlich nicht immer ganz unbeabsichtigt.

In den ersten Monaten bei der Zeitung hatte ich großen Resepekt vor dem Kollegen mit dem Kürzel PD. Die Texte und Fotos, die er lieferte, waren zwar meistens nur so mittelmäßig, aber dafür schrieb er oft komplette Seiten voll, manchmal mehrere in einer Ausgabe.

Seltsamerweise traf man ihn nie in der Redaktion, was ich mir dadurch erklärte, dass er ja offenbar immer unterwegs war. Dann musste ich irgendwann ein Foto aus einer Pressemitteilung über einem Text unterbringen. Ich fragte in die Runde: „Was schreib ich denn in den Bildnachweis?“

Irgendwer rief: „PD!“

PD steht für Pressedienst. Das klingt einigermaßen professionell, und so muss man wenigstens nicht unter dem Foto erwähnen, dass der Schriftführer vom Schützenverein die Bilder mit dem Smartphone aufgenommen hat, weil kein Mitarbeiter der Zeitung verfügbar war.

Dem Zeitungsleser bringt das Kürzel gar nichts. Er kann nicht unterscheiden, ob es sich um einen Redakteur, den Mitarbeiter einer PR-Agentur oder den Sohn vom Pressewart des Anglervereins handelt, der den Artikel geschrieben hat.

Wahrscheinlich ist das einigen Zeitungen oder Anzeigenblättern aber auch ganz lieb, denn die drei Buchstaben „RED“ unter allen Texten lassen zumindest noch die theoretische Möglichkeit offen, dass der Kollege Rolf Edinger sich wieder mal die Finger wundgeschrieben hat.

Für den Mantelteil von Regionalzeitungen arbeiten übrigens weder RED noch der ubiquitäre Kollege PD, denn da ist ja Detlev Pasczinski (dpa) zuständig. Der schreibt manchmal die ganze Zeitung zu, und das sieht natürlich auch doof aus.

In Wirklichkeit ist dpa nämlich die Deutsche Presse-Agentur. Aber das sollen die Leser gar nicht überall wissen. Eine Zeitung aus Stangenware. Wie sähe das denn aus?

Deshalb verwendet man einfach den Autorennamen und lässt den Arbeitgeber weg. Die dpa-Texte werden ja schließlich auch von Menschen geschrieben.

Natürlich ist es nicht automatisch ein Ausweis für Qualität, wenn hinter dem Autorennamen unter dem Artikel ein Mensch steckt, der tatsächlich bei diesem Medium angestellt ist. Aber wenn nicht mal diese Voraussetzung erfüllt ist und die Zeitung schon die Information über den Autor vernebelt, will ich eigentlich gar nicht mehr wissen, wie der Rest des Textes zustandegekommen ist.

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